Freiheit
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20. Mai 2018

 
 

Obwohl das Wort „Freiheit“ im Alten Testament nicht vorkommt, spielen Befreiungserfahrungen eine wichtige Rolle. So bildet der Auszug aus Ägypten (Exodus) mit ein Grunddatum für die Geschichte und den Glauben Israels. In diesem Geschehen tritt das Besondere des biblischen Gottesverständnisses deutlich hervor. Gott ist nicht fern, ihm ist das Ergehen der Menschen nicht gleichgültig; er ist vielmehr dem Leben der Menschen zugewandt. Er sieht das Elend, er hört das Geschrei der Unterdrückten, er kennt die Leiden seines Volkes (Ex 3).

Im Neuen Testament sind die Befreiungserfahrungen mit der Verkündigung und dem Wirken Jesu verbunden. So praktiziert Jesus in seiner Mahlgemeinschaft mit den Zöllnern und Sündern (Markus 2, 13-17) die Freiheit von den religiösen und ethischen Maßstäben seiner Zeitgenossen. Indem Jesus mit ihnen das Mahl feiert, erfahren sie eine befreiende Veränderung ihres Lebens. Sie sind nicht mehr auf ihre schuldhafte Vergangenheit festgelegt, vielmehr ist ihnen ein neuer Anfang geschenkt, sie sind zur Gemeinschaft mit Gott gerufen.

Paulus nimmt das Wort „Freiheit“ auf und gibt ihm im Rahmen seiner Theologie einen neuen Sinn. Das Neue in der christlichen Interpretation liegt vor allem darin, dass Freiheit mit einem geschichtlichen Ereignis in Verbindung gebracht wird: Jesus Christus ist der Ursprung der Freiheit. In seiner Geschichte ist die Freiheit Ereignis geworden. Aus diesem Grunde wird die Freiheit vor allem als Befreiung verstanden und erfahren. Pointiert formuliert Paulus: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“ (Gal. 5, 1). Wesentlich ist die befreiende Gotteserfahrung, die in der Geschichte Jesu Christi ihren Ursprung hat. Es geht dabei um die „Freiheit vom Gesetz“, um die Einsicht, dass die letzte Erfüllung des Lebens sich nicht durch das Tun erreichen lässt. Deshalb warnt Paulus davor, sich wieder "das Joch der Knechtschaft" auflegen zu lassen. Für die christlichen Gemeinden besteht offenbar die Gefahr, aus der gewonnenen Freiheit in eine religiöse Gesetzlichkeit zurückzufallen.




 

 

Menschliches Leben vollzieht sich in einer Vielfalt von Beziehungen. Deshalb verwirklicht sich die christliche Freiheit auf das Gegenüber zu Gott und auf die Beziehung zu den anderen Menschen. Jesus Christus befreit zum Vertrauen auf Gott und zur Liebe gegenüber den Mitmenschen. Dies geschieht dadurch, dass im Herzen, dem Zentrum der menschlichen Person, die befreiende Kraft der Liebe Christi erfahren wird. Damit wird eine wesentliche Einsicht der christlichen Auffassung deutlich. Im Gegensatz zu manchen neuzeitlichen Konzepten wird Freiheit nicht nur als Selbstbestimmung des einzelnen Menschen verstanden, vielmehr im Blick auf das gemeinsam zu gestaltende Leben als Verantwortung wahrgenommen.

Der im christlichen Glauben erfahrenen Befreiung entspricht in der Lebensgestaltung eine „Kultur der Freiheit“. Damit verbindet sich eine neue Wahrnehmung der Welt als Schöpfung Gottes, die in der Freude am Leben zum Ausdruck kommt. Dies alles ist keine platte Genusssucht, kein Hedonismus in einer Spaßgesellschaft. Die in Christus begründete Freiheit weckt die Freude an den Gaben des Schöpfers, verbunden mit Geselligkeit, Humor, Kunst und menschlicher Gemeinschaft. Zur „Kultur der Freiheit“ gehört eine Atmosphäre der Lebensfreude.




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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